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Die Fachstelle Geschichte – „die jüngste im Bunde“
 

Im Juni 2001 beschloss der Vorstand des Lippischen Heimatbundes zwei wesentliche Änderungen hinsichtlich seiner Fachstellen: die Auflösung der Fachstelle Schrifttum und die Neugründung einer Fachstelle Geschichte.

Die Auflösung der Fachstelle Schrifttum wurde als notwendig angesehen, weil die bisherige Hauptaufgabe, die Prüfung von Manuskripten zu geplanten Publikationen, sofern eine finanzielle Förderung durch den Lippischen Heimatbund zur Debatte stand, je nach Thema den anderen Fachstellen übertragen werden sollte. Die hauptsächlich aus Historikern besetzte Fachstelle Schrifttum hatte sich tatsächlich häufig außer Stande gesehen, ein Manuskript, z.B. zu einem naturkundlichen Thema, kompetent begutachten zu können. Unter Zustimmung aller Beteiligten wurden die Mitglieder der Fachstelle – insbesondere ihr Vorsitzender Dr. Volker Wehrmann – unter Würdigung ihrer zum Teil langjährigen Verdienste um das vom Lippischen Heimatbund herausgegebene oder mitfinanzierte Schrifttum in den (einstweiligen) Ruhestand verabschiedet. Gleichzeitig aber hatte der Vorstand beschlossen, eine neue Fachstelle ins Leben rufen zu lassen, die sich künftig mit dem Thema Geschichte, und zwar vorrangig mit der lippischen Landesgeschichte mit all ihren Facetten, beschäftigen sollte.

Nachdem der Verfasser dieses Beitrages vom Vorstand mit der Leitung der Fachstelle betraut worden war, begann die Suche nach Mitstreitern aus allen Ecken und Winkeln des Lipperlandes, die möglichst Fachleute für die unterschiedlichen Epochen und Aspekte sein sollten. Den grundsätzlich Interessierten, die schließlich zusammenkamen, wurde zugebilligt, dass sie an den ersten Sitzungen unverbindlich teilnehmen könnten, d.h. die dauerhafte Verpflichtung zur Mitgliedschaft wurde zunächst zurückgestellt. Nach kurzer Zeit erklärten sich gut zehn Teilnehmer zu einer längerfristigen Mitarbeit bereit, darunter drei Stadtarchivare, zwei Museologen, zwei Lehrer, ein Theologe sowie weitere „haupt“- oder „nebenamtliche“ Historiker; der Kern dieser ursprünglichen Gruppe gehört auch heute noch zu den Aktiven der Fachstelle.

In der ersten Sitzung der neuen Fachstelle, die im Februar 2002 stattfand, wurden zunächst die künftigen Arbeitsschwerpunkte festgelegt: Mit der Prüfung von Manuskripten geplanter Schriften zu historischen Themen, etwa von Ortschroniken, für die eine Zuwendung des Lippischen Heimatbundes beantragt ist, führt die Fachstelle Geschichte die wesentliche Aufgabe der bisherigen Fachstelle Schrifttum fort. Darüber hinaus nahm sich die Fachstelle vor, sich fortan mit ausgewählten Projekten zu beschäftigen. In diesem Zusammenhang wurden bei der ersten Sitzung u.a. folgende genannt:

- Strukturwandel in den lippischen Dörfern zwischen 1900 und 1980

- „Typisch Lippe“ – Was Lippe und seine Besonderheiten ausmacht

- 100 Jahre Lippischer Heimatbund.

Grundsätzlich erklärte sich die Fachstelle auch dazu bereit, arbeitsintensivere Aufgaben zu übernehmen, wie z.B. die Organisation von Symposien oder Workshops zu Themen der lippischen Landesgeschichte.

Als Erstes beschäftigte sich die Fachstelle Geschichte jedoch mit einem kleinen, aber ganz aktuellen Projekt: Mehrere auf Initiative bzw. mit Unterstützung der Fachstelle verfasste Beiträge zum Thema „Regionalgeschichte und neue Medien“ stellten den thematischen Schwerpunkt der Dezember-Ausgabe 2002 von Heimatland Lippe dar. Obwohl die Fachstelle erst ein knappes Jahr tätig war, konnte sie mit berechtigtem Stolz ein beachtliches Ergebnis ihrer bisherigen Arbeit präsentieren. Folgende – auch heute noch lesenswerte Beiträge – kamen zur Veröffentlichung:

- Annette Hennigs: Lippische Geschichte im Internet [unter Nennung vieler hilfreicher Links!]

- Jürgen Scheffler: Stadtgeschichte im Internet: Das Beispiel Lemgo

- Peter Pahmeyer / Armin Zenz: Karla Raveh – Eine Zeitzeugin erzählt. Ein Radio-Projekt des Gymnasiums Horn-Bad Meinberg.

Auch in den nächsten Jahren besetzte die Fachstelle Geschichte in der Mitgliederzeitschrift Heimatland Lippe Themenschwerpunkte, wobei die Beiträge in der Regel aus der Feder von Fachstellenmitgliedern stammten. Beispielhaft sei der von der Fachstelle in der Dezember-Ausgabe 2005 bestrittene Schwerpunkt „Archive und ihre Nutzung“ genannt; die Vorstellung der überaus wichtigen Arbeit der verschiedenen Archive wurde seinerzeit vor allem deshalb als Schwerpunkt gewählt, weil sich die Anzeichen mehrten, als sollte wegen der angespannten Haushaltslage aller öffentlichen Kassen die Archivlandschaft ausgedünnt bzw. in ihrer finanziellen und personellen Ausstattung stark beschnitten werden. Nachstehend die Titel der damals veröffentlichten Beiträge und ihre Autoren:

- Franz Meyer: Kommunalarchive in Lippe: „Häuser der Geschichte“. Anmerkungen zur aktuellen Situation und Skizzierung der Aufgaben

- Maja Schneider: Das Archiv der Lippischen Landeskirche

- Robert Göke: Das Archiv als außerschulischer Lernort – eine intensive Begegnung mit der Vergangenheit

- Dankward von Reden: Das kommunale Archiv der Gemeinde Dörentrup.

Im Herbst 2007 hat die Fachstelle zur Gestaltung eines weiteren Schwerpunkts, diesmal zum Thema „Mobilität“, beigetragen. Folgende Beiträge sind in der September/Oktober-Ausgabe von Heimatland Lippe erschienen:

- Roland Linde: Ein Abt an den Externsteinen. Eine herrschaftliche Raststation am Fernweg vom Rhein zur Elbe

- Franz Meyer: Von Lippe nach Norderney. Die Badereise des Johann Willibald Koring im Jahre 1840

- Stefan Wiesekopsieker: Vom Eichsfeld nach Salzuflen. Wanderarbeiter bei Hoffmann’s Stärkefabriken

- Willy Gerking: Mühsame Schulwege. Beispiele aus dem lippischen Südosten und Süden.

Etwa ein Jahr nach der konstituierenden Sitzung der Fachstelle begann eine intensive Diskussion über ihre Mitwirkung an Aktivitäten des Lippischen Heimatbundes zu dessen 100-jährigen Bestehen, das damals (2003) freilich noch in weiter Ferne lag. Nachdem der Vorstand aber bereits im Juni des Vorjahres signalisiert hatte, dass die Abfassung einer „Chronik“ – die Vorstellungen, welchen Namen das Werk tragen sollte, waren noch nebulös – in der Verantwortung der neuen Fachstelle liegen werde, mussten für diese Aufgabe dennoch langfristig die Weichen gestellt werden. In den folgenden Jahren wurde in fast jeder Sitzung unter Beteiligung nahezu aller Mitglieder an der Konzeption der Jubiläumsschrift gefeilt. Wieder gelang es, für zahlreiche Beiträge Mitglieder der Fachstelle als Autoren zu gewinnen, für die übrigen wurde Experten aus dem „Dunstkreis“ der Mitglieder hinzugebeten. Die Herausgeberschaft des Buches wurde Burkhard Meier, Geschäftsführer des Lippischen Heimatbundes und ebenfalls Mitglied der Fachstelle, sowie dem Verfasser dieser Zeilen gemeinsam übertragen.

Eine enge Zusammenarbeit pflegte die Fachstelle Geschichte in den letzten Jahren vor allem mit der Fachstelle Schule, da sich zwischen beiden zahlreiche Berührungspunkte fanden. Hingewiesen sei insbesondere auf die erfolgreiche Durchführung eines gemeinsamen Workshops im Rahmen einer Fortbildungsveranstaltung für Lehrkräfte aller Schulformen bei der Bezirksregierung Detmold Anfang November 2006. Bei dieser Gelegenheit wurde ein Projekt angestoßen, an dem beide Fachstellen in diesen Monaten, wenn dieser Beitrag geschrieben wird, intensiv beteiligt sind: Die Ausarbeitung eines Heimatkundebuches für lippische Grundschüler. Nach Klärung der Finanzierung – der Kreis Lippe hat sich als großzügiger Mitherausgeber zur Verfügung gestellt – wird noch in diesem Jahr mit der Fertigung erster Texte zu rechnen sein. Allerdings sind die beteiligten Fachstellen des Lippischen Heimatbundes hier auf die Mitarbeit der Grundschullehrkräfte angewiesen, weshalb auch das Schulamt des Kreises eng in die Planungen mit einbezogen ist.

Ein weiteres Großprojekt konnte bislang noch nicht entscheidend vorangebracht werden: die Realisierung einer Publikation zur Lippischen Geschichte. Seit langem gewünscht und geplant, scheiterte sie bisher an den unterschiedlichen Vorstellungen der an einem solchen – auch finanziellen – Mammutvorhaben zu beteiligenden Partner. Der Lippische Heimatbund – und hier die vor allem involvierte Fachstelle Geschichte – wird sich auch weiterhin für eine derartige Publikation einsetzen. Ob schließlich eine „große“ oder eine „kleine Lösung“ Wirklichkeit wird, hängt von den Ergebnissen der in den nächsten Monaten zu führenden Verhandlungen ab; eines steht jedoch fest: Die Fachstelle Geschichte wird sich konstruktiven Vorschlägen nicht verwehren und aus ihren Reihen engagierte Mitstreiter zur Umsetzung des Projekts stellen.

An dieser Stelle können nicht alle Aspekte der Fachstellenarbeit der vergangenen Jahre aufgegriffen und vorgestellt werden. Erwähnt seien noch die Behandlung folgender Themenkreise:

- Unterstützung von Autoren bei der Erstellung einer Ortschronik / Suche nach „Paten“ aus dem Kreis der Fachstellenmitglieder für einzelne Projekte

- Prüfung vorgelegter Manuskripte

- Beteiligung Lippes an den Aktivitäten rund um das „Varusschlachtjahr 2009“

- Begleitung des Kinder- und Jugendwettbewerbs „100 Jahre Lippischer Heimatbund“

- Mitarbeit im Netzwerk „Westfälische Amerika-Auswanderung“.

Häufig wurden zur Diskussion einzelner Themen auch Gäste zu den betreffenden Sitzungen eingeladen. So informierten Dr. Elke Treude und Dr. Michael Zelle vom Lippischen Landesmuseum im Juli 2005 die Fachstellen-Mitglieder über das Projekt „Lippe 2009“, im folgenden Jahr stellte Dr. Sabine Klocke-Daffa die aus dem Institut für Lippische Landeskunde durch eine Umstrukturierung des Landesverbandes Lippe hervorgegangene LVL-Kulturagentur vor.

Im Herbst 2007 hat die Fachstelle erstmalig eine ganztägige Fachtagung unter dem Titel „Hof- und Dorfgeschichte in Lippe. Ein Workshop für Einsteiger und Fortgeschrittene“ veranstaltet. Da sich diese Art der Öffnung der Fachstelle für weitere Mitglieder des Lippischen Heimatbundes bewährt hat, sollen solche Veranstaltungen künftig regelmäßig organisiert und durchgeführt werden.

Mit dem bislang Erreichten kann sich die erst sechs Jahre alte Fachstelle durchaus sehen lassen. Allerdings besteht kein Anlass, sich auf den „Lorbeeren auszuruhen“, denn viel zu viel ist zu tun, nicht zuletzt weil die Geschichte niemals aufhört...


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Leiter:

Dr. Stefan Wiesekopsieker

Winzerweg 2

32108 Bad Salzuflen


Tel.: (05222)  84280
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